Ein Rundgang durch das Aachener Rathaus


Der Sommer war lang und erholsam und ich habe gefühlt 1 Million Bilder auf meinem PC, die ich nicht ganz alleine für mich behalten möchte. Zudem habe ich ich jede Menge Ideen im Kopf. Neue Outfitinspirationen, vegane Rezepte, Reiseziele und und und....Deshalb frage ich mich gerade, wie ich das in 3 Post in der Woche unterbringe, ohne das euch die Infos oder die Langeweile in einem Post vom Hocker holen. Und da neue Besen bekanntlich gut kehren, gibt es jetzt, anstatt dem Detail Donnerstag, einen etwas anderen Post am Donnerstag. So lange, bis mir entweder die Ideen oder die Zeit ausgeht. Oder der nächste Sommer mit wunderbarem Wetter wieder lockt. Aber da haben wir wohl noch ein paar Monate Zeit. 

Den Auftakt macht heute das Aachener Rathaus. Wer mich kennt, weiß, dass ich im Rheinland geboren und aufgewachsen bin. Deshalb verbindet mich eine besondere Liebe zu dieser Region. Und zu Aachen sowieso, schließlich ist das die Heimatstadt von meinem Lieblingsmann. 



Deshalb besuche ich diese schöne alte Stadt immer mal wieder. Denn sie hat viel zu bieten. Bei meinem letzten Besuch war ich zu einer Führung durch das Rathaus eingeladen. Eine tolle Sache und etwas, was wir in der eigenen Stadt ja selten wahrnehmen. 
So habe ich viel Neues erfahren über die Lieblingspfalz von Karl dem Großen. Und über den Namensgeber des Karlspreises natürlich auch. Was mir die Möglichkeit gibt, euch auch auf eine kleine Reise mitzunehmen, wenn dir denn mögt. Ich werde mich dabei auf ein Minimum an Informationen beschränken. Denn erstens bin ich als Ü40 Blogger sind bekanntlich nicht mehr die Jüngsten ;) und manches hat es einfach nicht ins Langzeitgedächtnis geschafft. Zum anderen wäre es ja schön, wenn ihr bis zum Ende durchhalten könnt, ohne Langeweile und so.....

Die Führung nahm ihren Anfang vor dem Rathaus, dann da gibt es schon viel zu sehen. Beispielsweise das Gebäude gegenüber: Davon ist in seinem Ursprung nur noch die Fassade erhalten bzw. wieder aufgebaut worden. Dahinter verbirgt sich ein modernes Gebäude. Eine schöne Lösung. Denn wenn ich an meine Heimatstadt denke und alte Bilder davon sehe, hätte ich mir gewünscht, das wäre dort auch möglich gewesen. War es aber leider nicht. 

Aber zurück zum Rathaus in Aachen: Dieses Gebäude hat nicht Kaiser Karl selbst erbauen lassen. Vielmehr steht es auf der nördlichen Begrenzung der Pfalz, der damalige Krönungshalle. Mehr Infos gibt es hier und hier. Umgebaut wurde auch mehr als einmal und die gezeigte Räume stammen jeweils aus einer anderen Epoche. Kunstgeschichte im Schnelldurchlauf sozusagen.


Vom Foyer geht es links in den Ratssaal. Der heutige Saal besteht aus zwei ehemaligen Räumen, die irgendwann verbunden wurden. Wer genau hinguckt, kann die Unterschiede der beiden Gewölbe erkennen. Renaissance - Malerei zieren die Decken. In diesem Saal finden, auch wenn das Platzangebot überschaubar ist, auch heute noch die Ratssitzungen der Stadt Aachen statt. Auf der Homepage des Rathauses gibt es auch Bilder dazu klick.


Gegenüber dem Ratssaal liegt der Weiße Saal. Für mich der am prächtigsten gestaltetest Raum. Rokoko halt. Ist in Süddeutschland ja in jeder zweiten Kirche vertreten.
Im Weißen Saal kann auch standesamtlich geheiratet werden. Kostet nur ein bisschen mehr. Das wusste ich auch schon vor der Führung. Nein, ich habe nicht dort geheiratet. Aber eine Freundin von mir. Die hatten es, nachdem sie monatelang auf diverse Papiere und Genehmigungen gewartet haben, etwas eiliger mit der Trauung. Und bei dem, was sie damals bereits für Übersetzungen etc. hingelegt hatten, kam es auf die 200 DM (heute wahrscheinlich €) auch nicht mehr an. Aber ich schweife ab. 

In dem Raum gibt es in dem Raum aber auch einiges zu sehen. Zum Beispiel das geflügelte Pferd mit Ziegenkopf, Vogelschwanz und weiblichen Brüsten. Was auch immer die italienischen Stuckateure sich dabei gedacht haben. Fantasie hatten sie auf jeden Fall. 


Und im Weißen Saal hängt auch eine Persönlichkeit, deren Namen wir selbst dann schon einmal gehört haben, wenn wir mit Geschichte absolut nichts am Hut haben. Der Brite John Montagu (Bild unten) Sagt euch nichts? Mir auch nicht. Aber der Titel "Earl of Sandwich" macht klar, was nach ihm benannt ist. Die nach ihm belegten Brote sollen übrigens in Aachen entstanden sein. Ob das so ist? Wer weiß. Auf jeden Fall finde ich es interessant, dass dieses Wort einen solchen Ursprung hat. Ich hätte das Wort Sandwich eher für ein Kunstwort gehalten. 



Neuer Saal, neue Welt. Direkt an den Weißen Saal schließt das Werkmeistergericht an. Ein Raum im Barockstil, der sehr düster wirkt, wenn man ihn vom Weißen Saal aus betritt. Die Wände sind bespannt mit Tuch. Hier mussten die Tuchmacher ihrer Produkte zur Prüfung vorlegen. Wahrscheinlich sollte die Düsternis für entsprechende Stimmung sorgen. Gemütlich sieht für mich auf jeden Fall anders aus.



Die Werkmeisterküche überspringe ich an dieser Stelle und komme sofort in den Roten Saal bzw. den Friedenssaal. Hier sollten die Verhandlungen zum Österreichischen Erbfolgekrieg stattfinden. Dafür wurden extra mehrere Türen eingebaut. Denn wer zuerst den Raum betritt, ist schließlich der Wichtigste. Nicht auszudenken, was bei einer Tür los gewesen wäre.
Zu bewundern sind in diesem Saal auch noch ein paar Gemälde. Dieser Herr legte großen Wert auf eine ausgefallene Bekleidung und der Rahmen des Bildes musste sich von den anderen unterscheiden. Was da sonst noch für Befindlichkeiten waren, mag ich mir gar nicht vorstellen. Und das die Verhandlungen dort wegen diverser Rangstreitigkeiten nicht geführt wurden, ist wahrscheinlich die logische Konsequenz daraus.


Natürlich darf auch Karl der Große bei dem Rundgang nicht fehlen bzw. sein Portrait. Das Original dieses Bildes von Albrecht Dürer hängt in Nürnberg. 
Laut unserem Museumsführer entspricht übrigens keines der heuten bekannten Bilder dem Aussehen von Kaiser Karl. Leider habe ich vor lauter Infos vergessen zu fragen, warum man sich da so sicher ist. OK, zu Lebzeiten ist kein Bild entstanden, aber warum sollte er nicht so ausgesehen haben. Vielleicht war der Bart in Mode, als die Bilder entstanden sind und vorher nicht. Vielleicht weiß ja einer meiner Leser, warum es heute als erwiesen gilt, dass Karl der Große anders ausgesehen haben soll.


Und weiter geht es zum Krönungssaal. Hier wird alljährlich der Karlspreis verliehen. Sofern der Preisträger den Preis den persönlich abholen kann. Verliehen wird der Karlspreis seit 1950 an Personen oder Institutionen, die sich in Hinblick auf Europa bzw. die europäische Einigung verdient gemacht haben.

Alle Preisträger sind im Ark`schen Treppenhaus zu bewundern. Zwei Anekdoten der Führung sind mir hier in Erinnerung geblieben: Die bei der Verleihung an Königin Beatrix der Niederlande. Sie hat den Preis 1996 verliehen bekommen und trug einen Hut, der es unmöglich machte, das Band der Medaille über den Kopf zu streifen (oder wie auch immer das an dieser Stelle genannt werden sollte). Wie auch immer, die Königin weigerte sich, den Hut abzusetzen. Das Band wurde hinten durchgeschnitten. Wie das Band dann wieder befestigt wurde, weiß ich leider nicht mehr. Der Hut ist hier zu bewundern.

Eine weitere Anekdote enthält die Laudatio für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Frau Merkel hatte sich als Redner den damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ausgesucht. Dieser bemerkte, er habe Frau Merkel in den vergangenen 12 Monaten 12 Mal getroffen. Da der Ehemann von der Kanzlerin auch einen sehr vollen Terminkalender habe, könne es durchaus sein, dass er Frau Merkel häufiger getroffen habe als ihr eigener Mann. Seriöse Zeitungen haben nach der Rede recherchiert und Herr Sarkozy hatte wohl tatsächlich recht. 


So, ich beschließe meinen Rundgang durch das Rathaus an dieser Stelle und zeige noch kurz ein paar Eindrück von Aachen aus der Nähe des Rathauses. Denn die Stadt hat auch sonst viel zu bieten. Beispielsweise die Bauweise, die die Nähe zu den Niederlanden wiederspiegel. Und wer vom Rathaus dann zum Dom geht, kommt auch an meinem Lieblingsprintenbäcker vorbei. Da schmecken mir Printen sogar im Sommer und wer sich nicht sicher ist, ob er oder sie die Printen wirklich mag, kann dort einfach mal probieren. 





In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute und hoffe, dass euch der kleine Rundgang gefallen hat.

Kommentare

  1. Oh ja. Vielen Dank Andrea. Ich mache gern solche "Reisen" Danke dafür. Bei Earl of Sandwich muss ich auch immer grinsen. Sandwich ist ja eine Stadt. Wurde da das Sandwich erfunden?
    Wünsch Dir einen schönen Tag, liebe Grüße Tina

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    1. Laut Touristenführer wurde das Sandwich von dem Earl selbst erfunden, wahrscheinlich von Aachen.
      Schön, dass dir der Rundgang gefallen hat.
      Liebe Grüße
      Andrea

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  2. Sehr prunkvolles Gebäude und erst die Innenausstattung, Wow! Habe aber schon des öfteren gelesen das Aachen viele Sehenswürdigkeiten hat, eine schöne Stadt sein soll :)

    Happy Donnerstag Andrea! <3

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    1. Aachen ist wunderschön. Da habe ich dann doch direkt eine Idee für einen Post :)

      Dir auch einen tollen Donnerstag

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  3. Was für ein schönes Gebäude. Ich mag solche alten Gemäuer mit Geschichte :)

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Ja, erlebt hat das Gebäude sicher genug und aufgebaut bzw. umgebaut wurde es auch häufig genug.
      Schön, dass dir mein Post gefallen hat.

      Liebe Grüße
      Andrea

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  4. Danke Andrea, für die schöne Führung durch's Rathaus. Ich war schon einige Male in Aachen, weil meine Freundin dort hingezogen ist, aber wir hocken immer nur zusammen und ratschen, statt wir mal die Stadt begucken ;-)
    LG Bärbel ☼

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    1. Ratschen ist auch wichtig :) Und vielleicht schafft ihr dann zu irgendwann mal einen Stadtbummel. Und wenn nicht, hier gibt es sicher irgendwann eine kleine Stadtführung. Dann kannst du Aachen virtuell erleben.
      Liebe Grüße
      Andrea

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  5. Obwohl ich seit 27 Jahren München tätig bin und selbst schon im Rathaus tätig war, bin ich bei jedem (dienstlichen) Besuch wieder überwältigt von der Architektur.
    Die ist übrigens ganz ähnlich, wie die des Achener Rathauses.
    LG Sunny

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