Wo ist deine Heimat?


Wo ist deine Heimat? Diese Frage stellte mir ein alter Freund bei einem Abendessen. So ganz unverhofft. Und meine Antwort kam so spontan wie seine Frage: "Da, wo ich geboren bin!"

Eine Antwort, für die ich nicht überlegen muss. Heimat ist meine Heimatstadt. Zuhause ist mein Wohnort. So war es schon immer und in den letzten Jahren ist mir das stärker denn je bewusst. 

Auf der Heimfahrt vom Abendessen entstand die Idee zu einem Post zu dem Thema. Am Tag nach dieser Frage startete bei Sunny die Reihe "Dahoam is dahoam" und da ich davon aus Zeitmangel nix mitbekommen hatte, kommt heute mein Post zum Thema Heimat. Allerdings zeige ich weder mein Elternhaus noch das Haus, in dem ich heute lebe. Ich nehme euch stattdessen mit zu einem Ort, der für mich als Kind so wichtig war.


Der Fluss in der Nähe meines Elternhauses, an dem ich unzählige Stunden gespielt habe. Wo ich mit Freundinnen baden war und auf dem ich sogar schon mit dem Schlauchboot gefahren bin. Allerdings sah es in den 1970ern dort noch ein bisschen anders aus. Sauber geschnittene Rasenflächen, ordentlich gestutzte Büsche und Bäume. 


Vieles hat sich seitdem verändert und doch fühle ich mich dort immer noch zu Hause. So viele Erinnerungen an Geschichten, die wir uns am Wehr ausdachten, Was haben wir dort nicht alles gespielt. Heute warnt ein Schild: Betreten verboten - Lebensgefahr! 

Hätten wir das früher beachtet? Ich glaube nicht, aber darum mussten wir uns keine Gedanken machen. Das Schild war damals noch nicht da. Und wir fühlten uns unendlich frei.


An der Stelle, wo ich am Baum lehne, habe ich Fahrrad fahren gelernt. Allerdings auf dem Gehweg, auf dem mein Vater stand, um das Bild zu machen. Und ich erinnere mich gut, wie ich huchtig in die Pedale trat auf meinem blauen Kinderrad, das "Fahr einfach weiter" meiner Mutter im Ohr und den Fahrtwind um die Nase.


Bäume lagen damals auch noch nicht im Wasser, dafür drehten Schwäne hier ihre Runden. Das tun sie im Sommer wahrscheinlich immer noch. Und auch die Enten, die ich so gerne gefüttert habe, schwimmen noch. Allerdings dürfte das inzwischen eine andere Generation sein. Und Füttern, das wissen wir heute, sollten wir auch lieber nicht. Aber als Kind habe ich es geliebt, dort auf dem Heimweg vom Kindergarten 


Bei diesem Winterspaziergang war ich erstaunt, wie sehr ich mich mit diesem Fluss und seinen Auen immer noch verbunden fühle. Manches merkt man eben erst, wenn man lange weg war und dann doch wieder einmal dort ist.

In meiner Heimatstadt ist dieses Gefühl von Heimat fast genau so ausgeprägt und auch wenn ich die Stadt schon mit 18 Jahren verlassen habe und ich danach dort nur noch einmal für 3 Jahre gelebt habe, kehre ich immer wieder gerne dorthin zurück - allerdings nur zu Besuch. Eine "Rückkehr" war für mich nach meinem letzten Wegzug dort nie eine Option. Was mich an meine Worte erinnert, die ich gegenüber einer älteren Kollegin damals geäußert habe, die meinte, es gebe immer ein "Rückfahrticket", wenn es nicht gut läuft: "Ich komme nicht mehr zurück! Wenn es nicht läuft, gehe ich in eine andere Stadt, in eine andere Region. Aber in diese Stadt komme ich nur noch zu Besuch."

Klingt, als hätte ich schlechte Erinnerungen an meine Heimatstadt. Habe ich aber nicht, aber meine Zeit hier war dann eben einfach vorbei und ich habe ein neues Kapitel aufgeschlagen. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe.


Denn so gerne, wie ich meine Heimat besuche, leben wollte ich dort nicht mehr. Auch wenn ich die Stadt sehr mag, sehe ich sie heute mit anderen Augen. Denn so schön wie die Wiesen am Fluss ist die Stadt leider nicht. 

Auch sind viele Kontakte von einst inzwischen abgebrochen. Über die Distanz bleiben eben nur die wirklichen Freunde. Bekannte und alle anderen verschwinden in der Bedeutungslosigkeit.


Deshalb genieße ich die Momente der Erinnerung um so mehr. Denn es sind immer nur kurze Augenblicke, die ich in meiner Heimat verbringen kann. Zu kurz, um mich über Nichtigkeiten zu ärgern. Aber lang genug, um mich verbunden zu fühlen.


Und denke zurück an tausende kleine Begebenheiten, die ich an dem einen oder anderen Platz hier erlebt habe. Jeder Platz auf meinen Bildern verbinde ich mit einer Situation aus meiner Kindheit bzw. aus meiner Teenager-Zeit. Vieles ist mir während des Spaziergangs wieder in Erinnerung gekommen. Und ich habe die Rückblende sehr genossen.


Bevor es dann wieder nach Hause ging. Auf das ich mich nach einer Abwesenheit immer sehr freue. Meine 4 Wände, wo ich mich so wohl fühle, so zu Hause. 


Und wer jetzt noch einen etwas besseren Eindruck von meiner Heimat bekommen möchte, kann sich mein Video ansehen. Als ich es aufgenommen habe, wusste ich nicht, dass ich damit einen youtube - Kanal eröffnen würde. Aber das Video ist so schön, dass ich es hier einfügen möchte. Und die liebe LoveT. hat ja zuletzt schön gezeigt, dass auch Ü irgendwas Blogger youtube können.

Bei mir gibt es das Video unbearbeitet, aber wenn ich die Zeit finde, wird es vielleicht auch bessere Videos geben.


Kommentare

  1. Liebe Andrea, was für eine wunderbare Ecke zum Spielen! Wir konnten noch so richtig draußen die Zeit geniessen, gell. Heute ist das mit den Kindern einfach anders. Ich glsube die Eltern haben mehr Angst und es ist nicht schick und überhaupt gibt es mehr Verbotsschilder. Ich glaube Dir sofort, dass Du gern hinfährst.
    Liebe Grüße Tina

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    1. Ja, das war wirklich paradiesisch, keine Frage.
      Liebe Grüße
      Andrea

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  2. Das glaube ich Dir aufs Wort, dass Du Dich verbunden fühlst. Ich bin ja bis ich acht war neben den Isarauen aufgewachsen und habe noch immer sehr intensive Erinnerungen daran. Auch wenn ich nur noch selten dort bin und wenn, dann streife ich da natürlich auch nicht alleine herum. Ich würde Deinen Beitrag gerne noch verlinken, wenn Dir das Recht ist. LG Sunny

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    1. Du kannst den Beitrag gerne noch verlinken, benötigst du dafür noch etwas von mir?
      LG Andrea

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    2. Nein, danke. Ich habe mir ein schönes Bild ausgesucht und es dort "eingehangen". Danke.
      LG Sunny

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  3. Wie schön, dass du so viele tolle Erinnerungen mit deiner Heimat verbindest! :)

    Liebe Grüße
    Jimena von littlethingcalledlove.de

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    1. Ja, da habe ich wirklich Glück gehabt. Vielleicht wäre der Begriff Heimat für mich sonst auch heute anders besetzt.
      LG Andrea

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  4. Da sagst Du was , nur die wirklichen Freunde ... und davon hat man in der tat nicht besonders viele :)) Mein zu Hause ist da wo meine Familie ist .
    LG heidi

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    1. Wirkliche Freunde erkennt man beim Umziehen (während und nach dem Umzug :) ) und wenn es mal schwieriger wird.
      LG Andrea

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  5. Was für ein hübsches Fleckchen. Ich kann mir vorstellen, dass das für Kinder ein großes Abenteuerland war. Und jetzt überleg ich gerade, was für mich Heimat ist. Und ich komme zu dem Schluss, dass das nicht ein bestimmter Ort ist. Sondern jeder Platz, an dem ich Freunde habe, an dem man mich versteht und ich die Menschen verstehe und an dem ich gewisse Rituale entwickelt habe. Ich habe in den letzten 50 Jahren an etwa zehn Orten gelebt. Und viele davon wurden tatsächlich zur Heimat.
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Auch eine Möglichkeit, den Begriff Heimat zu benennen.
      Liebe Grüße
      Andrea

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  6. Ich mag Dich ja mit Mütze und dickem Schal supergerne leiden, muss ich mal sagen. :)

    Tolle Ecke zum Spielen. Ja, da würden heute wohl die wenigsten Eltern ihre Kinder unbeaufsichtigt hingehen lassen. Ich hätte vermutlich auch Angst gehabt ... - Das mit den Verbotsschildern ist wirklich immer mehr geworden und wird es noch. Sowas von deutsch, das. Nervt mich manchmal enorm!

    Lieben Gruß
    Gunda

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    1. Danke, liebe Gunda.

      Mir geht es ähnlich, ich wäre durchaus auch kritisch, meine Kinder in einem unübersichtlichen Gebiet spielen zu lassen. Das Gelände war früher besser einsehbar aber trotzdem wahrscheinlich nicht ungefährlich. Aber es war trotzdem üblich, Kinder dort spielen zu lassen. Allerdings gab es auch eine Seite vom Fluss, auf der wir nicht spielen dürften, weil keine Häuser in der Nähe waren. Das Verbot haben wir auch immer eingehalten.
      LG Andrea

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  7. Danke für die schönen Bilder und soviel Wasser liebe Andrea. Das mit dem Herumspielen in einer solchen Gegend, daran kann ich mich auch erinnern. Aber Stadtkinder wachsen da wohl anders auf....LG und schönen Tag noch! Sabina

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    1. Ja, dass ist der Vorteil der Kinder, die nicht in der Großstadt aufwachsen. Wobei große Städte in der Nähe waren.
      LG Andrea

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  8. Liebe Andrea,
    das sieht ganz danach aus und klingt auch so, als wenn Du eine wunderbare Kindheit an einem schönen Ort genossen hast! Und was für ein wunderbarer Platz ... auch wenn es damals noch anders ausgesehen hat dort.
    Vielen Dank für diesen berührenden Post.
    Liebe Grüße, Rena
    www.dressedwithsoul.com

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    1. Ja, glücklich und wunderbar war meine Kindheit :) In vielerlei Hinsicht.
      Liebe Grüße
      Andrea

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  9. Ein herrliches Fleckchen Erde, dort würde ich mich auch gerne rumtreiben. Kein Wunder, dass Du gerne daran zurückdenkst.
    Mit der Stadt meiner Kindheit und Jugend geht es mir ähnlich wie Dir. Ich sehe Ihre Schönheit und ihre Vorzüge schon noch, aber ich bin ihr entwachsen. Ich wußte, als ich ging, dass ich (ohne Groll) nie mehr zurückkehren werde.
    Lieben Gruß
    Sabine

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    1. Entwachsen ist eine gute Bezeichnung, wenn einen die Entwicklung von der Heimatstadt entfernt ohne das es negative Beweggründe gegeben hat. Genau so ist es.
      Liebe Grüße
      Andrea

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  10. Wunderschöne Bilder und eine Geschichte, in der ich mich fast 1:1 wiederfinde... danke, dass Du uns mitgenommen hast, zu ,,Deinem Paltz m Fluß"! Alles Liebe, Nessy

    www.salutarystyle.com

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  11. … zu der Stadt in der ich geboren bin habe ich zwar einen emotionalen Bezug, aber da ich dort nie gelebt habe ist die Bindung nicht sonderlich eng.
    Meine Heimat ist definitiv dort wo ich schon mein Leben lang lebe, das liegt weniger an dem Ort als an den Menschen dort :)

    Ganz liebe Grüße aus der EDELFABRIK Chrissie

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  12. Liebe Andrea,
    das ist so ein toller Post! Ich überlege die ganze Zeit wo ich so einen tollen Platz in meiner Kindheit hatte. Den gibt es bestimmt allerdings fällt er mir spontan gar nicht ein :-( Und wo hab ich Radfahren gelernt? mhmmm....ich muss nachdenken...
    GLG Natascha

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  13. Wie schön liebe Andrea. An solche Plätze erinnert man sich gern. Mir geht es bei meiner Geburtsstadt ähnlich. Es war eine schöne Zeit, aber ich möchte dort nicht mehr leben.

    Liebe Grüße Sabine

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