Haben Statussymbole sich verändert?


Ich bin mir sicher, die meisten kennen: "Mein Haus, mein Boot, mein Auto". Vor einigen Jahren machte ein deutsches Geldinstitut mit einem solchen Slogan mächtig Werbung. Und auch an vielen anderen Orten sehen wir sie: Die Luxusartikel. Was wäre Instagram ohne Handtaschen, Luxusuhren und treuen Schals? Da wird gezeigt, was man hat. Natürlich mit passenden Hashtag. Sonst sieht es ja keiner. Und was wäre ein Statussymbol, das keiner sieht?

Zwischen Weihnachten und Neujahr hatte ich bezüglich Luxusartikel und Statussymbolen ein interessantes Gespräch mit meinem Lieblingsmann. Ursprünglich drehte sich die Diskussion (glaube ich zumindest) über Autos, und irgendwann fragte mein Mann, ob wir gemeinsam den Bericht gehört hätten, dass sich Statussymbole verändert hätten. Nein, an diesen Bericht konnte ich mich nicht erinnern.

Als fasste mein Mann kurz den Inhalt zusammen: Die ursprünglichen Statussymbole wie Uhren, Taschen oder Autos seien auf dem Rückzug, was vor allem die Bekleidungsindustrie merke. Zumindest war das die Aussage in dem Beitrag. Stattdessen rückten immer mehr "Erlebnisse" in den Fokus und seien das neue Statussymbol in der Gesellschaft. 

Ein durchaus interessanter Gedanke. Mir durchaus einleuchtend, denn dank Social Media ist man bei seinen "Erlebnissen" ja inzwischen nicht mehr alleine sondern kann sie buchstäblich mit aller Welt teilen. So sieht jeder, was wir tolles gemacht haben: ein Fallschirmsprung, eine Reise in die Karibik, ein Flug erster Klasse ins exklusive Luxushotel.....Was einst lediglich Kollegen und Freunde bemerkten, ist inzwischen jedermann bekannt. Wenn man das den will.

So bekommt ein Erlebnis einen höheren Stellenwert und wahrscheinlich auch den Rang eines Statussymbols. 


Natürlich interessierte mich, was das Internet zu dem Thema bereit hält und flugs habe ich meine Suchmaschine befragt. Zwei Artikel sind mir dabei besonders ins Auge gefallen:

Zum einen gibt es (von 2016) einen Artikel, dass universell gültige Statussymbole aussterben, da die Struktur der Gesellschaft multidimensional geworden sei. Diese Vielschichtigkeit bringe es mit sich, dass Menschen nicht mehr an allgemein gültigen Dingen Interesse zeigen. Und da gebe ich der Autorin recht: das neuste Handy oder fair produzierte Kleidung ist nur für die ein Statussymbol, die Wert darauf legen. Für andere ist das inzwischen uninteressant. Wenn ich da zurückdenke an meine Kindheit, als ein Geschäftsmann noch am Auto gemessen wurde. Das war deutlich einfacher und klarer.

Als interessant habe ich die Aussage der Autorin empfunden, dass Vaterschaft und Zeit für die Kinder zunehmend im Ansehen steigt, während die Frauen sich schwerer tun. Denn weder das "nur" Hausfrau sein noch das Karrierefrau sein als Teilzeitmutter bringen einen ähnlichen Effekt bei Frauen.

Wahrscheinlich müssen wir "Supermuttis" perfekt im Job und in der Mutterschaft sein. Dann können wir auch mit dem Papa mithalten, der für einen Monat Elternzeit nimmt. Zumindest im öffentlichen Ansehen.  Und wer weiß, vielleicht werden Kinder ja auch irgendwann selbst zum Statussymbol (es wäre uns zu wünschen), dann ist die Elternschaft unabhängig vom Geschlecht dann auch ein erstrebenswerter Status. 


Noch ein weiterer Artikel zum Thema Statussymbole ist mir ins Auge gefallen:

Das neue Statussymbol: "Die kluge Frau." Na wunderbar. Wenn wir schon keinen Blumentopf gewinnen können als Voll- oder Teilzeitmutter, dann können wir wenigstens selbst zum Statussymbol mutieren. Vorausgesetzt, wir sind klug. Was immer das heißen mag. Denn wer entscheidet eigentlich, ob ein Mensch klug ist? Intelligenztest? Ein guter Job? Eine Karriere an der Universität?

In dem Artikel wurde Klugheit mit einer Karriere am der Universität gleich gesetzt. Konkret war das Beispiel die neue Freundin von Brad Pitt (Ok, neu ist vielleicht nicht richtig, der Artikel stammt aus dem April 2018). Die scheinbar Professorin ist und eben das neue Statussymbol von einem Hollywood - Schauspieler. Sehr interessant. Und neben schönen, jungen Frauen werden jetzt plötzlich auch kluge Frauen zu etwas, mit dem Mann sich schmücken kann. 

Spannend wäre die Frage, ob der Schauspieler seine Freundin auch als Statussymbol sieht. Ich denke, eher nicht, aber die Sache mit dem Statussymbol macht den Artikel sicherlich interessanter. Und eine interessante Überschrift.


In vielen Modeblogs sind Statussymbole ja nach wie vor vorhanden und ich persönlich glaube, dafür wird es auch noch lange einen Markt geben. Denn auf den Blogs lesen an Mode interessierte Menschen. Die dann auch den Wert einer Marke kennen. Und vielleicht auch bereit bzw. in der Lage dazu sind, für ein entsprechendes Statussymbol in Form eines Gürtels, eines Halstuchs oder einer Handtasche den geforderten Preis zu zahlen. Aber es wird auch sicher viele Menschen geben, die den Wert solcher Statussymbole nicht so hoch einschätzen und lieber auf preiswertere Alternativen zurückgreifen. Und dann wird es auch sicher jene geben, die sich nichts aus Mode machen und andere Statussymbole haben.

Und jetzt bin ich gespannt:

Denkt ihr, dass die Statussymbole sich verändern werden und eher Erlebnisse als Designerkleidung und Luxushandtaschen in den Vordergrund rücken werden?





Kommentare

  1. Ich denke die Statussymbole haben sich nicht verändert. Sie werden immer noch gekauft und gerne gezeigt. ABER wir sind die Generation mit dem meisten Budget. Wir sind die die andere Maßstäbe setzen. Viele ü40 haben eine andere Vorstellung von Luxus. Wir arbeiten viel und gerne und wertschätzen das Leben an sich mehr als Generationen vor uns. Wir leben heute bewusster . Wir definieren uns auch nicht über eine reichliche Esskultur. Eher über Gesund, fit und gerne auch sportlich schlank. Vor 30 Jahren sah das anders aus.
    Denk mal an die Generation unserer Eltern zurück. Da war man wer wenn man seinen vermeintlichen Luxus zeigen konnte. Wenn man etwas vorweisen konnte was teuer war.

    Heute freut man sich wenn man sich die Welt anschauen und darüber erzählen kann. Zu dem gibt es doch beinahe von allem was mal ein Statussymbol war, super gelungene Kopien . Als Laie kaum zu unterscheiden. Aber Erzählungen mit Bildern sind da etwas ganz anderes ;) Oder ??
    LG heidi

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    1. Sicher sind Luxusartikel in einigen Kreisen noch sehr wichtig. Aber Erlebnisse, Gesundheit und Körperkult kommen mehr in den Focus. Das ist ja auch alles nicht preiswert.
      Ich würde aber sagen, schlank und gesund ist schon lange im Trend. In den 60ern war es das orpulente Essen, das große Auto und die Zigarre. Heute auch Nicol interessant aber eben anders.
      Liebe Grüße

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  2. Zu dem Thema hatte ich 2014 ein amüsantes Gespräch mit einem Kunden im Oberklasseumfeld mit latenten Gewichtsproblemen. Fazit: Unter Reichen ist schlank das neue Reich und strahlend weiße Zähne sind das Statussymbol. Ohne die geht nichts, wenn man dort jemand sein möchte .

    Kinder kenne ich durchaus schon als Statussymbol: Es ist das vierte, das die Botschaft der Eltern sendet: Wir können uns das leisten - inkl. Kleinbus von Mercedes dazu und den entsprechenden Urlauben ...

    Mein Statussymbol - wenn man es so nennen möchte ist es, Zeit zu haben.

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    1. Vier Kinder muss man sich wirklich leisten können ;)
      In HH war ich 2018 am Neujahrstag an der Alster. Da sieht man Statussymbole, so was gibt hier am See gar nicht. Zumindest nicht in der Menge. Ausschließlich Designerkleidung.
      Gesundheit und schlank sein, ich glaube, das wird für viele immer wichtiger. Ebenso wie schöne Zähne. Das war früher vielen egal.
      Liebe Grüße

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    2. Diese Statussymbole gibt es in Hamburg auch nur in gewissen Stadtteilen. In meinem siehst Du wenig bis nichts davon. Die Menschen um die Alster, die dort leben, leben in ihrer eigenen Welt ...

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  3. Dein Outfit gefällt mir Andrea. Ein Shirt mit was drauf :)
    Die Farbe der Hose ist auch toll.
    Staussymbole sind wohl so vielfältig wie noch nie und ich denke je nach Alter, Charakter und Interessen komplett anders.
    Schönen Sonntag, liebe Grüße Tina

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    1. Stimmt, ein Shirt mit Print. Ist ja bei mir nicht so häufig :)

      Und ja, unterschiedliche Gruppen haben sicher unterschiedliche Statussymbole.
      Liebe Grüße

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  4. Ja so in der Art ist es mir auch aufgefallen. Reisen und abenteuerliche Freizeitbeschäftigungen werden mehr und mehr zum Statussymbol. Während fast niemand mehr in Entzücken verfällt wenn man teure Schuhe von Manolo Blahnik oder Louboutin trägt. Markenkleidung rückt auch immer mehr in den Hintergrund. Während teure Materialien wie Kaschmir mehr an Bedeutung gewinnen.
    Ein schönes Outfit trägst du, die Farbe der Hose ist toll!

    Lieben Sonntagsgruß zu dir <3

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    1. Stimmt, Kaschmir Pullover trug früher irgendwie kaum jemand, den ich kannt. Heute sind sie deutlich öfter anzutreffen. Glücklicherweise, denn es es so ein schönes Material.
      Es freut mich, dass dir meine Hose so gut gefällt.
      Liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche
      Andrea

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  5. Klar verändern sich Statussymbole, so wie sich auch die Zeit verändert. Man kann nur hoffen, dass es nicht zu sehr abhebt in Zeiten von Instagram & Co. Momentan ist ja Detox in allen Bereichen angesagt. Das ist quasi das Pendant zum Luxus. Obwohl ich glaube, dass Detox auch nur ein Modewort ist. Am besten, mann lässt sich von all dem "Kram" nicht beeindrucken.

    Liebe Grüße Sabine

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  6. Es gibt eigentlich nur wirklich wenig, auf das ich stolz bin. Mich selbst, meine Familie, meine Freunde und meine Mitarbeiter. Weil wir Tag für Tag gemeinsam etwas leisten. Wir schenken Vertrauen, Zuversicht und Freude.
    Materielle Dinge beeindrucken mich wenn dann eher negativ. Nämlich dann, wenn sie zur Schau getragen werden. Benutzt jemand das "gute Stück" mit dem angemessenen Understatement fällt es mir meist gar nicht auf. Genügend (*)Geld hat "man" und spricht nicht drüber. Das finde ich fast unanständig. So neureich.
    BG Sunny

    (*) Genügend Geld ist immer relativ. Das bitte nicht falsch verstehen. Ich empfinde mich als reich, da ich mir ein gutes, sorgenfreies und vor allem glückliches Leben leisten kann. Ich habe es „geschafft“. Auch ohne Chaneltasche, Gucci-Gürtel und Malediven-Ressort. Andere würden mich als armen Schlucker bezeichnen. Was mir aber egal ist, weil ich niemand mit materiellen Dingen beeindrucken muss, um stolz auf mich zu sein.
    BG Sunny

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  7. Ich denke schon, dass sich Statussymbole verändern - je nachdem, in welche peer group man sich bewegt. Die Definition über eine Automarke etwa ist in meinen Augen in der Generation der unter 30-jährigen längst out. Das Auto spielt für sie gar nicht mehr eine so große Rolle wie für Ü50er beispielsweise. Ersetzt wird ein solches Statussymbol beispielsweise bei vielen Menschen, die ich so kenne, durch sehr hochwertige Ernährung und entsprechende Kleidung. Markenlogos spielen dabei keine große Rolle, sondern vielmehr faire Produktionsbedingungen und Qualität. Erlebnisse oder Reisen - ja, die werden immer wichtiger. Und Bildung.
    Liebe Grüße
    Fran

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  8. Liebe Andrea, ich denke, jede Gruppe innerhalb der Gesellschaft hat ihre Statussymbole - und das gilt sowohl für virtuelle Gruppen als auch für Gruppen im realen Leben. Ansonsten denke ich, dass sich Statussymbole zwar möglicherweise verändert haben, aber dass sie insgesamt vor allem auch mehr geworden sind. Früher war es vielleicht nur "das" bestimmte Auto: heute gehört neben dem eigenen "perfekten" Aussehen auch das des Partners dazu, genauso wie Bildung und Abschlüsse, Orte, die man bereist hat, Dinge, die man besitzt und erreicht hat, sicher auch Kinder, wie Du sehr richtig schreibst ... ganz schön viel, denke ich mir da. Für mich halte ich es einfach so, dass was mir wichtig ist, für das setze ich mich ein. Aber auch das wechselt mitunter.
    Sicher weiß ich, dass Du mir gefällst in Deinem heutigen Outfit. Schlicht und sehr schön!
    Liebe Grüße, Rena
    www.dressedwithsoul.com

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  9. Ich finde vor allem, dass es in den letzten Jahren bei vielen Menschen MEHR SCHEIN ALS SEIN geworden ist, weil viele Personen "mithalten" möchten. Ich finde das ehrlich gesagt ein wenig armselig. Mit der Entwicklung der Statussymbole geht es mir persönlich zu weit. Es hat mich noch nie interessiert, welche Handtasche (also von welcher Marke) eine Frau spazieren führt. Und so ist es mit vielen anderen Dingen auch. Es ist doch traurig, wenn die Anerkennung eines Menschen nur über Statussymbole erfolgt.
    Dein Outfit gefällt mir mal wieder richtig gut. Schwarz in Kombination mit Cognac ist sehr edel.
    LG
    Ari

    ARI SUNSHINE BLOG

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  10. Liebe Andrea,
    ein super interessantes Thema. Auch ich beobachte wie sich Reisen in Richtung Status Symbol bewegen. Aber am besten dort wo noch keiner war :-) Übrigens empfinde ich auch Kinder als Status Symbol. Ich habe zwar keine aber ich kann mir ungefähr ausmalen was ein Kind heutzutage kostet.
    LG Natascha

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